Qualitätssicherung des
Trinkwassers im Gebäude

Trinkwasserhygiene in landwirtschaftlichen Betrieben

Keine Schweinerei mit dem Trinkwasser

23. April 2019

 

   

Das Thema Hygiene gewinnt bei Trinkwasserinstallationen landwirtschaftlicher Betriebe zunehmend an Bedeutung. In diesem Gastbeitrag erklärt der Sachverständige und Trinkwasserexperte Arnd Bürschgens, was beim Anschluss von Viehtränken zu beachten ist.

 

„Trinkwasser ist Wasser für den menschlichen Gebrauch. Es muss geeignet sein, ohne Gefährdung der menschlichen Gesundheit getrunken oder verwendet zu werden.“ Dies steht ganz klar und deutlich in der Trinkwasserverordnung. Eine Wasserversorgungsanlage ist dem Stand der Technik entsprechend zu errichten, in ordnungsgemäßem Zustand zu halten und vorzusorgen, dass eine negative Beeinflussung des Trinkwassers hintangehalten wird. Niemals darf daher eine Trinkwasserinstallation ohne eine geeignete Sicherungseinrichtung mit anderen Anlagen oder Systemen verbunden werden, in denen sich Wasser befindet, das nicht für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist. Das gilt für die Anbindung von Feuerlöschanlagen genauso wie für fest angeschlossene Kaffee-Vollautomaten oder Leitungen zu Viehtränken in landwirtschaftlichen Betrieben.

 

Eine wesentliche Voraussetzung für den hygienisch einwandfreien Betrieb von Trinkwasserinstallationen ist eine ausreichende Absicherung gegen Rücksaugen, Rückdrücken oder Rückfließen von Nicht-Trinkwasser zurück in die Trinkwasserinstallation. Die Auswahl der erforderlichen Sicherungseinrichtung muss konsequent nach dem Gefährdungspotenzial erfolgen, das von diesem Nicht-Trinkwasser ausgehen kann. Die Bewertung erfolgt nach der ÖNORM EN 1717, die eine Einteilung in fünf Flüssigkeitskategorien vornimmt:

 

  • Kategorie 1: Kaltwasser für den menschlichen Gebrauch, das direkt aus einer Trinkwasser-Installation entnommen wird.
  • Kategorie 2: Flüssigkeit, die keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellt (z. B. Warmwasser, Getränke).
  • Kategorie 3: Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung durch giftige Stoffe darstellt.
  • Kategorie 4: Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung durch besonders giftige, radioaktive, erbgutverändernde oder krebserregende Stoffe darstellt.
  • Kategorie 5: Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung durch Mikroorganismen oder Viren darstellt.

 

Die höchste Risikostufe für die menschliche Gesundheit stellt dabei die Flüssigkeitskategorie 5 dar, da Bakterien und andere Mikroorganismen im Trinkwasser auch gegen die Fließrichtung zurückwachsen können, sich durch Zellteilung selbständig und exponentiell vermehren und zumeist weder am Geruch noch am Aussehen des Trinkwassers erkannt werden können. Besonders kritisch sind solche Anschlüsse bei der Anbindung von Trinkwasser an alle Flüssigkeiten mit potenziell fäkaler Verunreinigung oder mit Verunreinigungen biologischen Ursprungs, z. B. Speichel, Blut, oder Gewebe. Diese Gefährdungen sind vielfältig anzutreffen: An Regenwassernutzungsanlagen aufgrund der fäkalen Verunreinigung durch Vögel und Nager, bei Nachfüll-Anschlüssen an Schwimm- und Badebecken, bei unter Flur verlegten Bewässerungseinrichtungen, bei Viehtränken in der Landwirtschaft und an Trinkwasserentnahmestellen in Schlachthöfen.

 

In der Viehwirtschaft steht das Wasser vor der Neubelegung oft über längere Zeit bei warmen Temperaturen in der Leitung, die für Mikroorganismen optimale Wachstumsbedingungen schaffen. Zusätzlich ist der Keimeintrag durch die Tiere selbst ein Problem. Ein besonderes Risiko sind die fäkalen Bakterien wie Escherichia Coli, Enterokokken und Clostridium Perfringens, die teilweise gegen Wasserdrücke von bis zu 10 bar rückwachsen können. Die Tiere kommen mit Kot- oder Futterresten in Kontakt und kontaminieren so den Tränkenippel. Ein weiterer Aspekt ist, dass in vielen viehwirtschaftlichen Betrieben dem Futter Medikamente und Zusatzstoffe beigemischt werden - Traubenzucker oder Elektrolyte, die auch den Mikroorganismen in der Leitung als Nahrungsgrundlage dienen. Auf Grund der Zugabe von Masthilfsstoffen, Vitaminen oder Nahrungsergänzungspräparaten direkt über das Tränkewasser bilden sich Ablagerungen in den Leitungen und Biofilme, die eine weitere Grundlage für eine starke Keimvermehrung im Tränkewasser sein können. Der Anschluss von Trinkwasser zu jeder Form von Nutz- oder Viehtränkewasser, ganz gleich ob es sich dabei um einen Reiterhof, eine Schweinemast, eine Hühnerzucht oder eine Milchviehhaltung handelt, muss immer zwingend über einen freien Auslauf zur Absicherung gegen ein Eindringen unerwünschter Mikroorganismen in die Trinkwasserleitung verfügen.

 

Die Absicherung ist heute wesentlich einfacher zu realisieren als noch vor einigen Jahren, denn alle erforderlichen Komponenten finden sich vorgefertigt in sogenannten Sicherheitstrennstationen bestehend aus Vorlagebehälter, automatischer Nachspeiseeinrichtung mit Schwimmerventil und Druckerhöhungsanlage. Über das Schwimmerventil, dessen Abstand zum höchst möglichen Nicht-Trinkwasserspiegel im Vorlagenbehälter die Anforderungen an einen freien Auslauf sicherstellt, wird das Trinkwasser in den Vorlagebehälter gefüllt und von dort mittels einer integrierten Pumpe druck- und bedarfsabhängig in die Tränkezuleitung geleitet. Damit beinhaltet sie alle nötigen Komponenten, um eine ordnungsgemäße Trennung zwischen Trink- und Tränkewasser zu gewährleisten.

 

Fazit

Planer und Fachhandwerk sind die ersten Ansprechpartner für Betreiber und Inhaber, wenn es um Fragen zu den hygienischen Risiken einer Trinkwasserinstallation geht. Wenn nicht behördliche Auflagen die Triebfeder für die Installation und Instandhaltung der Sicherungseinrichtungen sind, ist es für den Fachmann zur eigenen Absicherung unerlässlich, dass er auf fehlende oder unzureichende Sicherungseinrichtungen hinweist und mit Fingerspitzengefühl und Kompetenz auf die Gefahren unzulässiger Zusammenschlüsse und den Stellenwert die Trinkwasserhygiene hinweist.

 

 

Sicherheitstrennstation

Schematische Darstellung einer Sicherheitstrennstation
© Arnd Bürschgens

Teaserbild: © Ludger Bütfering

Author
Arnd Bürschgens

Arnd Bürschgens

Anerkannter Gutachter und zertifizierter Sachverständiger für Trinkwasserhygiene, Fachautor für verschiedene Verlage und Mitglied in zahlreichen Normengremien

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